Moni und Roli Langzeit-Reisen

Canada und USA (Teil 1)

[von Roli]

Nachdem der VW unser ist, wollen wir ihm noch ein bisschen Leben einhauchen. Eine zweite Batterie für Licht, Kühlschrank, Wasserpumpe, Radio etc. wird eingebaut, Bettwäsche wird besorgt und nicht zuletzt Besteck und Geschirr gekauft. Diese oder jene Schraube muss noch angezogen, die eine oder andere Kleinigkeit repariert werden.
Der Zeitplan ist festgelegt. Am 22. Juli wollen wir zurück in Vancouver sein um Tinu, Monis Bruder, abzuholen. Er wird uns für zwei Wochen begleiten. Bis dann ist Waterton NP, Grenzübertritt zur USA, Glacier NP, Yellowstone NP und Bekannte in Bend besuchen angesagt.

Los geht's

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Die paar Tage bis zu unserem ersten Ziel übernachten wir meistens in Provincial Parks. Diese sind in der Regel als Naherholungsgebiet gedacht. Natürlich gibt es auch hier etwas zu sehen, besonders Wildlife. Und - man darf Feuer machen. Das macht Freude. Trotz teilweise feuchtem bis nassem Holz, bringen wir ein Feuer zustande. Wie es sich gehört, braten zwei Servelats, die wir im Kilosack im Supermarkt ergattert haben, über dem Feuer. Soviel zur Gemütlichkeit des Reisens.

Bären, Bisons, Hirsche und andere wilde Tiere

Klicken vergrssert das Bild Die Tiere denen der meiste Respekt gebührt, sind die Bären, genau gesagt Schwarzbären und Grizzlies (Graubären). Sie sehen in uns Menschen zwar kein Futter, aber können sich schnell mal gestört fühlen, wenn sie auf Futtersuche sind. Und das sind sie dauernd, denn sie haben den sprichwörtlichen Bärenhunger und müssen sich den Vorrat für den nächsten Winter anfressen. Die Pelztiere lassen sich dabei ungern stören und wenn doch, langen sie mit ihren grossen krallenbewehrten Tatzen zu. Verletzungen können tödlich enden. Also ist Vorsicht angesagt und es sind auch überall klare Verhaltensregeln publiziert. Man darf z.B. nichts liegen lassen, was auch nur nach Food riechen könnte. Essen wie auch Zahnpasta gehört ins Auto oder in die bereitgestellten bärensicheren Kästen. Wer sich daran hält, braucht sich keine Sorgen zu machen.

Waterton Lakes NP

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Dieser Nationalpark bildet zusammen mit dem Glacier NP in den USA den "Waterton/Glacier International Peace Park". Für den Besucher sind es immer noch zwei separate Parks, denn der jeweilige Teil wird vom entsprechenden Land betrieben und der Eintritt muss in beiden Teilen separat bezahlt werden. Dieser Umstand mindert in keiner Weise die Schönheit der Landschaft. Als Teil der Rocky Mountain (Rockies) ragen hier entsprechend hohe Berge in den Himmel. Auf unseren Touren durch den Park lernen wir andere Reisende kennen: Jens und Sandra aus Oberbayern und ein Paar aus Niederweningen (von dem vielen Plaudern haben wir es wieder mal verpasst ein Foto zu machen).

Klicken vergrssert das Bild Auf einem Parkplatz finden wir ein Dodge auf dessen Heck eine Schweizer Webadresse steht. Ist es ein Langzeitreisender? Etwa eine Stunde später spazieren wir an einem Pfeifenraucher vorbei, der gerade am Angeln ist. Er hört unser schweizerdeutsches Gequassel und spricht uns an. Martin ist tatsächlich der Besitzer des Dodge und macht hier zusammen mit seiner Partnerin Monika einige Monate Canada-Urlaub. Martin ist Alleinunterhalter. Mehr Infos auf www.martinsumi.ch. Es macht uns grossen Spass mit den beiden zu plaudern.

Grenzübertritt zu den USA

Immer wieder hört man Schauermärchen wegen der Einreise in die USA. Normalerweise erhält man als Schweizer oder EU-Bürger ohne Visum eine 90-tägige Aufenthaltsbewilligung. Diese Frist wird durch einen Aufenthalt in angrenzenden Staaten nicht unterbrochen, ist unsere Meinung. Da wir am 3. Juni '05 schon in Hawaii in die USA eingereist sind, müsste unsere Frist Ende August ablaufen. Bis anhin rechneten wir damit, dass wir zu diesem Zeitpunkt Alaska (USA) wieder verlassen haben müssen.
Die Zollstation sieht den Europäischen ähnlich und die Beamten sind sehr freundlich, nicht so borstig, wie wir es schon auf Flughäfen erlebt haben. Wir müssen zwar aussteigen und im Büro das grüne Formular ausfüllen, welches wir sogar in unserer Muttersprache, schwedisch, vorgelegt bekommen. Was? Es gibt einen Unterschied zwischen Sweden and Switzerland? Nachdem die Differenz geklärt ist, erhalten wir ein deutsches Formular.
Zwei Offiziere verschwinden mit den Formularen für etwa zehn Minuten, aber als Belohnung gibt es erneut eine 90-Tage-Bewilligung. Wir jubeln schon innerlich, als der Beamte das Datum fein säuberlich in unseren Pass schreibt. Zurück im Auto lassen wir unserer Freude freien Lauf und beschliessen die Sache heute Abend mit einem Glas Wein zu feiern.

Glacier NP

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Der Logan-Pass führt direkt durch den Glacier NP und erinnert uns an den Grimsel- oder Gotthardpass. Entfernte Schneefelder und Gletscher entzücken unser Auge. Auf der Passhöhe erspähen wir ein Bighorn Sheep und ein Mountain Goat (Schnee- oder Bergziege).

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Wir lassen und auf dem Campground "Avalanche Lake" nieder, denn diese Gegend gefällt mir fototechnisch. Die Ground Squirrels sind nicht ängstlich und flitzen fast unter unseren Füssen durch. Eines lässt sich minutenlang portraitieren, bevor es plötzlich innert Sekundenbruchteilen in seinem Bau verschwindet.

Yellowstone NP

Klicken vergrssert das Bild Der älteste (die Amerikaner nennen es den ersten) Nationalpark ist der Yellowstone. Er war vor einer halben Million Jahren der Schauplatz eines katastrophalen Vulkansausbruchs. Eine Magmakammer wurde teilweise entleert, was den Boden zum Kollabieren brachte und eine gigantische Caldera (Vulkankessel) formte. Ein grosser Teil des Parks liegt nun auf diesem Gebiet. Eigentlich recht gefährlich, der Vulkan könnte jederzeit wieder aktiv werden.

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Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild In Mammoth, den Ort den wir zuerst besuchen, bildet ein Netzwerk von Brüchen und Rissen ein natürliches Leitungs-System welches heisses Wasser vom Untergrund auf die Erdoberfläche bringt. Regen und Schmelzwasser aus den umliegenden Bergen sickert tief in die Erde, wo es aufgeheizt wird. Viele kleinere Erdbeben (wir hatten schon zwei Mal das Gefühl eins zu spüren) halten das Rohrsystem offen. Wärmeliebende Mikroben überziehen die Erde mit einem bunten Teppich wo heisses Wasser fliesst. Die Farben hängen von der Wassertemperatur ab und können saisonal schwanken.

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Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Die Terrassen sind wie Lebewesen; geformt von der Menge des Wassers und der Partikel die mitschwimmen. Sie verändern sich stetig, manchmal über Nacht. Am frühen Morgen lässt die kühle und feuchte Luft Dampfwolken entstehen. Es ist eine faszinierende Landschaft, ein Leckerbissen auf unserer Reise.

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Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Wildlife-Watching kommt nicht zu kurz. Immer wieder sehen wir Bisons. Dieses hier platzierte sich gleich neben der Strasse und wir konnten es aus dem Auto ablichten. Sie sehen zwar ganz friedlich aus, aber man sollte diesen Viechern nicht zu nahe kommen. Manchmal kommt es wegen den wilden Tieren zu einem regelrechten Stau. Nicht weil sie den Weg belagern, sondern weil die Leute sie fotografieren wollen. Wegen seiner komischen Form des Kopfes finden wir den Moose (nordamerikanische Elchart) lustig. Weit, weit weg können wir ein Weibchen erspähen. Wir hoffen in Canada noch mehr dieser Spezien zu finden.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das BildEin weiteres Feld von Quellen, Geysiren und Pools bildet das "Norris Geyser Basin". Der Steamboat Geyser soll der höchste aktive Geysir der Welt sein und das Wasser bis zu 90 Meter hoch werfen. Na ja, fürs Foto reichen auch ein paar wenige Meter.
Überall brodelt's und spritzt's, dampft's und blubbert's, kocht's und faucht's. Dann faucht auch noch der Motor.

Autopanne im Yellowstone NP

Während der Fahrt hören wir plötzlich einen "Chlapf" aus dem Motorraum und im Cockpit leuchtet sofort die Batterielampe. Moni hält an und wir stellen fest, der Alternator ist blockiert (Lagerschaden) und als Folge ist der Keilriemen gerissen. Was jetzt? Abschleppen lassen ist uns für den Moment zu teuer, denn der Motor läuft ja noch, bloss die Kühlung funktioniert nicht ohne Riemen und die Batterie leert sich mit der Zeit. Das nächste Village (Old Faithful: Benzin, Food und Hotels) ist etwa 20 km entfernt.
Klicken vergrssert das BildFürs erste fahren wir mal weiter und beobachten die Temperaturanzeige, die schon nach zwei Kilometern über der Mitte ist, das Kühlmittel kocht bereits. Wir stoppen wieder und lassen den Motor abkühlen. In der Zwischenzeit öle ich den Alternator und bringe ihn tatsächlich wieder zum rotieren. Der Keilriemen für die Servolenkung hat ungefähr die gleiche Grösse. Den riskieren wir. Moni hat in der Zwischenzeit herausgefunden, dass es in Old Faithful sogar eine kleine Autowerkstatt gibt. Also los!
Es funktioniert! In Old Faithful manövrieren wir unseren "Schnägg" (ja, er hat diesen Namen bekommen, weil er wie eine Schnecke unser Haus immer dabei hat und bergwärts nicht so schnell wie talwärts ist) an die Tankstelle. Der Wart telefoniert in die Werkstatt, die noch einen Kilometer weiter ist und findet heraus, dass es dort keinen passenden Alternator auf Lager hat, schon gar nicht für einen "Folkswägen". Das will ich nicht so recht glauben und wir fahren direkt zur Werkstatt. Ich frage nach einem Alternator, der nur ungefähr passt, aber werde abgewiesen mit der Begründung, ein Ami-Alternator würde schon wegen der Elektronik auf keinen Fall in einem Euro-Auto funktionieren. Ich bohre weiter, weil ich weiss, dass die Elektronik bei älteren Modellen wie dem unseren direkt eingebaut ist und somit kein Problem darstellen sollte. Endlich händigt er mir einen aus, der jedoch mechanisch nur fast passt. Ich möchte am liebsten alle Alternatoren sehen, die an Lager sind. Nach weiterem hin und her, kommt ein anderer Angestellter, der mehr hilfsbereit ist, hinzu und packt wirklich fast jeden Alternator aus um zu prüfen ob er passt. Wir staunen wie viele Alternatoren die an Lager haben. Leider passt kein einziger und wir bestellen den Passenden. Wir müssten aber mindestens bis morgen warten, warnt uns der Angestellte. Das ist ja extrem schnell. Wären wir jetzt in Australien im Cape York müssten wir vielleicht zwei Wochen darauf warten.
Ok. Das nächste Problem ist nun eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Es gibt hier im Dorf nämlich keinen Campingplatz oder RV-Park, wie das die Amis nennen. Auf einem Parkplatz zu übernachten ist verboten und wird durch die Ranger scharf kontrolliert. Klar könnten wir in ein Hotel und eine Lodge, aber wir wollen ja nicht 240 US-Dollar für eine Nacht bezahlen wenn das beste Hotel schon im Auto integriert ist. Während ich den alten Alternator nochmals einbaue, damit wir wenigstens ein paar Meter fahren können, erklärt Moni unsere missliche Lage einem Angestellten im Visitorcenter. Nach einem Telefonat mit dem Rangerbüro erhalten wir tatsächlich die Erlaubnis für eine Nacht auf dem Parkplatz zu stehen, aber das sei eine absolute Ausnahme.
Am nächsten Tag bekommen wir den neuen Alternator, wie versprochen, minuziös um zwei Uhr. Und: Er passt! Das ist eine Pünktlichkeit und Genauigkeit, wie wir es uns seit längerem nicht mehr gewohnt sind. Ich baue das neue Teil ein, spanne alle Riemen und der Schnägg läuft wieder wie eine Orgel.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Die Zeit des Wartens in Old Faithful nutzen wir natürlich auch um die vulkanische Gegend zu erkunden. Wir wollten ja ohnehin hier stoppen. Der Panne sei Dank, können wir sogar hier campen, gratis. Die grösste Attraktion bildet der Old Faithful Geyser. Mit einer Regelmässigkeit von 50 bis 200 Minuten erreicht er eine Höhe von 30 bis 50 Metern. Entsprechend gross ist auch der Zuschauerauflauf.

Zu Besuch bei Regula und Christian Heeb in Bend, Oregon

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Christian und Regula haben wir in Neuseeland in einem Nationalpark kennen gelernt. Die Konversation dauerte zwar nur wenige Minuten, der Emailkontakt aber blieb in der Zwischenzeit und die zwei haben uns auf ihre "Ranchos las Hierbas" in Oregon eingeladen. Heebs haben ihr Hobby zum Beruf gemacht, nämlich Reisefotografie. Mehr zu Geschäft und Haus, das übrigens aus Stroh gebaut ist, sind zu finden auf www.heebphoto.com.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild El Rancho steht mitten in der Natur oder besser gesagt in der Wüste. Ein optimaler Platz um z.B. vom Balkon aus Tiere zu beobachten. Kurz nach Sonnenuntergang zeigt sich ein junger Coyote (Präriewolf) an der Wasserstelle. Später hören wir das Geheul mehrerer Wölfe aus einiger Entfernung. Das fährt einem so richtig durch Mark und Bein.

Klicken vergrssert das BildAm 16. Juli haben wir etwas zu feiern, wir sind nämlich genau seit einem Jahr auf der Reise. Christian und Regula bekochen uns mit einer feinen Pizza und mit Rotwein begiessen wir den Anlass. Wir wollen an dieser Stelle nicht verschweigen, dass mit demselben Tag unser zweites Reisejahr beginnt.
Regula und Christian, wir danken euch für die Gastfreundschaft und die Tipps, die ihr uns gegeben habt.

Ab nach Vancouver

Wir müssen uns schon langsam beeilen, um in drei Tagen in Vancouver zu sein. Aber wir wollen euch nicht mit unserem Stress, der ja eigentlich keiner ist, belasten. Wir fahren durch die Cascades nach Norden und besuchen unter anderem den Mount Rainier NP. Das ist wie ein Tüpfelchen auf dem i unseres ersten Reiseabschnittes in Nordamerika.
Klicken vergrssert das Bild Mount Rainier ist ein aktiver Vulkan, 4392 m hoch und aktiv, d.h. er kann jederzeit ausbrechen. Für den Fall der Fälle sind die Gefahrenzonen genau definiert und ein Alarmsystem eingerichtet. Das interessiert uns aber im Moment nicht. Es herrscht eine Seelenruhe beim Sonnenaufgang am Mount Rainier. Die ersten Sonnenstrahlen lassen seine Gletscher farbig leuchten.