Moni und Roli Langzeit-Reisen

Alaska (Teil 1)

[von Roli]

Das Land des heute 49. und flächengrössten Bundesstaates Alaska wurde 1867 den Russen abgekauft. Natürlich wussten die Russen damals noch nichts vom grossen Ölvorkommen, das übrigens anfänglich stark unterschätzt wurde. Ins Rampenlicht brachte Alaska aber nicht das Öl, sondern Gold. Der Traum vom schnellen Reichtum war der effektivste Lockvogel, der Alaska je hatte. Heute werden in Alaska auch Eisen, Chrom, Blei, Kupfer und Kohle abgebaut. Nebst Öl sind auch Erdgasförderung, Fischfang (Lachs), Holzwirtschaft, Pelzgewinnung und Tourismus wichtige Wirtschaftszweige. Flächenmässig drei Mal so gross wie Frankreich beherbergt Alaska "nur" etwa 650'000 Einwohner. Wir besuchen Alaska auch wegen seinen Naturschönheiten: Flüsse, Seen, Berge, Gletscher etc. Mit dem Malaspina besitzt Alaska einen der weltgrössten Gletscher. Er ist 113 km lang und 2200 km² gross.

Mit der Fähre von Bellingham (Nähe Seattle) nach Haines (Alaska) durch die Inside Passage

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild In dreieinhalb Tagen bezwingen wir die Distanz von 1440 km an Bord des 42 jährigen und 124 Meter langen Motorschiffes "Malaspina". Unseren Westy haben wir auch mit dabei und in dessen Bauch geparkt. Es gibt verschiedene Unterkünfte auf dem Schiff. Die Cabins sind für Monate ausgebucht. Trotzdem haben wir im letzten Moment eins bekommen. Als Alternative darf man auf dem Hinterdeck sein Zelt aufstellen. Klebeband nicht vergessen! Es ist nicht möglich Heringe einzuschlagen (in den 20mm Blechboden) und beim kleinsten Windstoss würde das Zelt alleine von Bord fliegen. Nachdem allerdings die ganze Fahrt regenfrei war, müssen wir sagen, dass es keine schlechte Alternative zur unserer fensterlosen und stickigen Kabine gewesen wäre.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Die Route führt zwischen Festland und diversen Inseln durch teilweise recht schmale Passagen. Durch die geschützte Lage ist die See meistens sehr ruhig. Die Strecke nennt sich Inside-Passage und ist uns von vielen anderen Reisenden empfohlen worden.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das BildDer Tagesablauf wird durch Sightseeing und Möglichkeiten der Tierbeobachtung bestimmt. Während ich mich morgens um drei aus dem Bett quäle um den Sonnenaufgang zu sehen, dreht sich Moni nochmals im Bett und kuschelt sich wohlig ein. Nein, die Sonne geht erst um halb fünf auf, aber weil auf dem Schiff schon Alaska-Time gilt, habe ich mich beim Weckerstellen prompt um eine Stunde verrechnet. Aber lieber zu früh als zu spät. Und der Sonnaufgang? Bewölkt, verhangen, kein Foto wert. Oder etwa doch? Als später Moni auch aufsteht, zieht Nebel auf und verleiht der Landschaft eine mystische Stimmung. Und wir werden vom gewaltig lauten Nebelhorn erschreckt, das von nun an jede Minute ertönt. Jetzt sind wir endgültig wach. Es hallt sekundenlang aus dem Wald zurück. Die wilden Tiere sind damit auch verscheucht. Aber macht ja nichts, die sähen wir sowieso nicht im Nebel.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Was machen wir denn sonst noch auf dem Schiff?
Spazierrunden drehen auf dem Deck. Mit Amis, Deutschen und Schweizern plaudern oder über GPS-Technik fachsimpeln. Wenn keine Sights zu erwarten sind, duschen oder essen gehen, Musik hören und das Leben geniessen . In keinem Moment wird es uns langweilig, denn oft legt die Fähre wieder irgendwo an und wir können der Mannschaft zuschauen, wie das Schiff an den Hafen gesteuert und festgezurrt wird. Der Tag ist mit dem Sonnenuntergang noch nicht am Ende, denn erst danach zeigt sich der Himmel in den allerschönsten Farben.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Es ist so gemütlich, wir müssen nichts tun, planen keine Routen und haben keine Verpflichtungen. Diese Fahrt ist ein weiteres Highlight unserer Reise und drei Tage Ferien.

Fertig Fähre, jetzt sind wir wieder auf festem Boden.

Wir kommen mitten in der Nacht um 2 Uhr morgens in Haines an. Moni fährt von Bord und wir suchen einen Platz um den Rest der Nacht zu verbringen. Überall stehen am Strassenrand Wohnmobile, wir gesellen uns dazu.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das BildIn Haines lassen wir uns einen Tag Zeit um die Route in Alaska richtig planen zu können, wir hatten ja in den letzten Tagen keine Zeit dazu, smile. Auch besuchen wir die "Bald Eagle Foundation", eine dem Weisskopf-Seeadler gewidmete Stiftung. Die Ausstellung ist interessant gestaltet und zeigt einen Abriss über die Tierwelt Alaskas.
Interessant ist auch der Artikel, den ich im Lexikon gefunden habe:
Warum ist der Weisskopf-Seeadler im Grunde als Wappenvogel ungeeignet?
Benjamin Franklin (1706 - 1790), Staatsmann und Erfinder, bemängelte 1782, als der so stolz aussehende Vogel Staatssymbol wurde, dass er zur Symbolisierung der amerikanischen Nation völlig ungeeignet sei: "Er ist ein Egoist, neigt zur Trägheit, lässt andere für sich arbeiten, geht auf Raub aus und ist doch ein verlauster armer Wicht." Nicht schlecht beobachtet, denn der Vogel ist vor allem als Beutedieb aktiv. Natürlich ist er jederzeit in der Lage, selbst Fische zu fangen, bevorzugt es jedoch, sie Fischadlern zu klauen. Auch Geier bedrängt er so lange, bis sie das Aas wieder auswürgen. Ist der Geier dabei zu langsam, wird er gleich niedergemacht und selber Beute. Aber um nicht ungerecht zu sein: Der Weisskopf-Seeadler beherrscht auch einzigartige direkte Jagdtechniken.
Ich verkneife mir einen politisch angehauchten Kommentar.

Klicken vergrssert das Bild Wir verlassen Haines und fahren auf dem gleichnamigen Highway Richtung Norden. Die Sicht auf Gletscher und Berge wird durch Dunst leider stark beeinträchtigt. Das Sonnenlicht scheint am Morgen sehr gelblich und wir vermuten, dass der Dunst kein Dunst sondern Rauch ist. Schon bald begegnen wir der Feuerwehr, die gegen Waldbrände kämpft und wir können Flugzeuge und Helikopter bei ihrem Löscheinsatz beobachten. Der Heli holt Wasser beim Fluss gleich neben der Strasse und Flugzeuge werfen eine Flüssigkeit oder Pulver roter Farbe ab. Später erfahren wir, dass es in Alaska 110 Brände hat und 12 davon bekämpft werden.
Ein kurzer Teil der Strecke (einige Hundert Kilometer) führt nochmals durch Canada. Der grimmige Zöllner stellt seine Fragen in einem militärischen Ton. Nachdem wir ihm unsere Berufe verraten und vorgelogen haben, dass wir das Land im November wieder verlassen wollen, lässt er uns durch.

Klicken vergrssert das Bild Haargenau beim 60. Breitengrad begrüsst uns ein farbiges Schild im ebenso trüben Yukon. Nachfolgende Schilder erklären die Geschwindigkeitslimiten, das Ganztag-Abblendlicht-Fahr-Obligatorium und das Verbot von Radarwarnern. Unser Westy erfüllt alles. Dauerlicht hat er und zu schnell läuft er auch nicht. Somit brauchen wir auch keinen Radarwarner.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Beim Kathleen Lake kurz vor Haines Junction nisten wir uns auf dem Campground ein. Es wimmelt von Wespen, also essen wir ausnahmsweise im Auto. Als ich draussen auf dem Trangia das Fleisch anbraten will, muss ich mich wehren wie in Australien gegen die Fliegen. Schlimmer noch; ich drehe dem Kocher kurz den Rücken zu und schon macht sich ein diebischer Vogel ans Fleisch. Er bleibt aber nicht lange auf dem Pfannenrand stehen, hier verbrennt er sich nämlich die Füsse. Haha.
Die Zöllnerin an der USA-Grenze um wieder Alaskaboden zu betreten, stellt zwar die gleichen Fragen, aber in einem wesentlich freundlicheren Ton. Überhaupt waren die Amis beim Grenzübertritt bis jetzt immer freundlicher als die Canadier.Nach Gerüchten zu urteilen müsste dies genau andersrum sein. Hallo Canada, wir wollen ja nur eure schöne Natur anschauen und lassen dabei ein bisschen Geld da! Bitte seid nicht so grimmig, wenn wir reinkommen.

Klicken vergrssert das Bild In Tok ist die Sicht wegen des Rauches sehr schlecht. Im Visitors Center erkundigen wir uns, wo es denn besser wäre. Wir sollen Richtung Süden zum Beispiel nach Valdez, rät uns die wegen der schlechten Luft hustende Angestellte. Auch wir bemerken ein Beissen im Hals und sind schneller als die Polizei erlaubt weg von hier.

Während der Fahrt klingelt plötzlich das Cockpit. Schnägg ruft uns an, er hat Öl-Not. Und das in Alaska! Die rote Lampe brennt, ich stelle sofort den Motor ab, schalte den Automat auf N und lasse den Patient ausrollen. Langsam dämmert uns, warum die Heckklappe so dreckig ist. Der Motor verliert Öl, zuviel Öl. Ich fülle die zwei Liter nach, die wir als Reserve mitgenommen haben. Hoffentlich reicht das bis Glennallen, dort sollte es eine Tankstelle und somit auch Öl geben. Sonst müssen wir die Trans-Alaska-Pipeline anzapfen, die wenige Hundert Meter neben der Strasse verläuft und damit rechnen, dass uns deswegen das FBI verfolgt (Warnschilder weisen darauf hin). Aber es reicht. Wir decken uns vorsorglich wieder mit einer Gallone ein. Auf dem Campingplatz nehme ich die Sache unter die Lupe und stelle fest, Schnägg muss zum Doktor. Am nächsten Morgen fahren wir hin und lassen den Fachmann ran. Nochmals einen Tag später ist eine Dichtung ersetzt und unser Reisegefährt/e wieder einsatzbereit.

Valdez

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Auf dem Weg nach Valdez kann man den Worthington Glacier nicht übersehen. Viele halten schon zwei Kilometer vorher auf dem Highway an um ein Foto zu machen. Ein kleiner Abstecher führt ganz nah an den Gletscher. Der Camper geparkt machen wir uns zu Fuss auf den Weg. Eis zum Anfassen. Nach den letzten rauchigen Tagen ein kühle, frische Abwechslung.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Mit dem 4100-Seelendorf Valdez erreichen wir unser erstes eigentliches Ziel in Alaska. Hier ist das Ende der 1285km langen Trans-Alaska-Pipeline. In dem eisfreien Hafen übernehmen Öltanker die kostbare Fracht. Am gegenüberliegenden Ufer befinden sich die grossen Öltanks, die als Zwischenlager benutzt werden. In dem Meeresarm, an dem sich Valdez befindet, schwimmen Millionen Lachse. So viel, wie schon seit Jahren nicht mehr. Leider auch viele Verendete. Das gehört zur Natur. Nicht alle schaffen den Weg zurück zu ihrem Geburtsort, hunderte von Meilen flussaufwärts. Viele finden nicht mal den Fluss. Das macht den Uferbereich zu einer etwas traurigen Zone.
Für die Nacht bleiben wir auf einem RV-Park, der wie für Alaska typisch, wie ein Autokino für Busse aussieht. Die Busse sind Wohnmobile und die nummerierten Pfosten daneben haben keine Lautsprecher, sondern Anschlüsse für Wasser, Abwasser, Telefon, Flimmerkiste und Strom. (Für Kraftwerk-Techniker: 50 Ampère Stromanschlüsse, Spezialsteckdosen, die spinnen, die Amerikaner, aber das braucht es halt für ein vollklimatisiertes Luxushotel auf Rädern, welches übrigens gut und gerne 40 Liter Diesel auf 100 km säuft). Eine Leinwand hat es auch keine. Logisch, jedes Monstermobil hat ja sein eigenes Kino eingebaut. Movie-on-demand-Systeme. Highspeed-Internet kommt via Wireless.
Aber wir sind nicht die einzigen ohne Heizung und Unterhaltungssystem. Mika und Gian haben, wie wir, ein CH-Fähnchen ans Auto gehängt und so lernen wir uns kennen. Die zwei laden uns zu einem Plauderabend bei einem Bierchen ein.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Für den nächsten Tag buchen wir eine Schiffs-Tour mit der Lu Lu Belle in den Prince William Sound. Dies ist ein kleines Unternehmen, dessen Chef auch gleich der Captain ist. Man merkt gut, dass er sein Schiff exakt steuern kann. Damit wir Touristen die Puffins möglichst nah fotografieren können, manövriert er sein Schiff nur wenige Zentimeter an die Felsen heran.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Wir bekommen Seeotter zu Gesicht, die typisch schön gemütlich auf dem Wasser liegen und die Hände wie beim Gebet zusammenfalten. Uns wär's im Moment zu kalt im Wasser, aber denen scheint es Spass zu machen. Im Gegensatz zur Whale Watching Tour in Whiterock können wir hier Buckelwale erspähen. Zum ersten Mal sehen wir auch einen, der einen Sprung aus dem Wasser macht. Sorry, die Kamera war zu langsam, ich brauch' eine neue. Auch Robben hat es hier massenweise. Obwohl wir schon sehr viele in Neuseeland gesehen haben, macht es uns Spass diesen zuzuschauen, vor allem weil sie sich manchmal gegenseitig anfauchen.

Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Klicken vergrssert das Bild Das eigentliche Highlight der Tour sind die Gletscher, die direkt ins Meer kalben. Daraus ergeben sich die Eisberge, die in der Gegend herum schwimmen. Wunderschön und saukalt.